Der „Sulzhof“ in St.Margarethen

 

 

Nach den einschneidenden Einbußen und Veränderungen in den agrarischen Erwerbsstrukturen der fürstlich esterházy´schen Gutsverwaltung und Wirtschaftsführung vor und nach 1848 sowie rund um den österreichisch-ungarischen Ausgleich um 1867 ging man in den 70er- und 80er-Jahren des 19.Jahrhunderts daran, die landwirtschaftlichen Leitbetriebe auf neue Beine zu stellen.

 

Dazu gehört in erster Linie eine Art von Kommassierung, eine Grundstückszusammenlegung in großem Stil, wodurch man zentral bewirtschaftete große Acker- und Weideflächen im Ausmaß von jeweils rund 300 - 800 Hektar zur Verfügung hatte, die auch einen Meierhof als Mittelpunkt erhielten.

 

Am Beispiel Sulzhof deutlich erkennbar, wurde der beengte „alte“ Meierhof im Dorf (Hauptstraße 161, auch „Burghof“ genannt) als Wirtschaftshof aufgegeben (er beherbergte in der Folge weiterhin esterházy´sche Bedienstetet und Meierhofmitarbeiter) und die neue Anlage errichtet. Neben dem Verwaltungsgebäude befinden sich „Dienstwohnungen“ für das Meierhofgesinde und „Massenunterkünfte“ für das saisonal eingestellte Arbeiterpotential (Schnittermannschaft, Heuernte, Rübenvereinzeln und Rübenernte etc.) im Ausmaß bis zu rund 100 Personen (heute wird diese Aufgabe durch die Erntemaschinen = z.B. Mähdrescher wahrgenommen). Daneben ist auch für die Unterbringung von Zugvieh für die Bewirtschaftung vorgesorgt, es kamen hier bis zu 100 Zugochsen zum Einsatz, in der weiteren Folge wäre bis zum 1. Weltkrieg auch an den Einsatz von Dampfpflügen zu denken (deshalb die Anlage der „Herrschaftsbreiten“ in großen rechteckigen Ackerflächen).

 

Hervorstehend mit der Anlage des Sulzhofes ist die gleichzeitig um 1885 begonnene und großflächig durchgeführte Melioration durch Drainagierung der ehemals abflusslosen, flachen, wassererfüllten Wanne der Sulzbreiten, die durch die Anlage eines Kanals bzw. einer Tunnelröhre einen Abfluß zum Notbach und in weiterer Folge zur Wulka erhielt. Die landwirtschaftliche Nutzung wurde begünstigt durch den geologischen Aufbau der Sulzbreiten, wo unter einer etwa 50cm mächtigen braunen, lehmigen Erdschichte eine etwa 30cm dicke schwarze und fetter Moorerde angetroffen wurde, die auf einer sher dünnen diluvialen Süßwassertonschichte aufliegt. Die gewonnene ackermäßig nutzbare Fläche beträgt 350 Hektar, die sich die Gemeinde St.Margarethen und Siegendorf teilen.

Fürst Nikolaus III. Esterázy (1817 – 1894), der dem Bau des Entwässerungssystems großes Interesse entgegenbrachte, durchschritt als erster am 18.06.1885 den von Mineuren von beiden Seiten vorangetriebenen 300m langen Stollen. Die Arbeiter stammten aus Italien unter der Leitung des Triester Bauunternehmers Giacomo Ongaro und seinem Adjunkten Romolo Ruffini, der später esterházy´scher Steinbruchleiter in St.Margarethen wurde.

 

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